CHORRUINE ST.NIKOLAI 1997

ABSICHT
Durch unsere entwurflichen Eingriffe in den Bestand rekonstruieren wir den Habitus der alten Kirche, nicht aber deren Substanz. Es ist somit eine Art Transkription der Kirche, ein Übertragen in eine andere Sprache, mithin keine klassische Rekonstruktion.

Der neue Raum – das neue Hauptschiff – stülpt sich nun von oben wie ein Dach, welches einen Raum bildet, über den Ruinenraum (Unterraum), ohne diesen zu berühren. Ein Raum, der nicht betretbar, sondern nur umgehbar ist, und zwar in seinen Wänden mittels dem Triforium (im allgemeinen nicht zugänglich für die Öffentlichkeit). Hier herrscht Helligkeit von oben durch die Schweißschlitze (Lichtschlieren, wie Regen, wie Tränen, wie Schweiß und Blut und…).

Die beiden eingehängten Segel sollen fast nicht sichtbar sein – wie Rauchschleier. Sie dienen primär der Gliederung dieses Oberraumes (Neuraum) und dem Einfangen des ganz leichten Schlierenlichtes, welches so schwach ist, daß es niemals die andere Raumseite (9 m entfernt) erreichen könnte. Jetzt erhält es ein Trägermaterial und wird somit erst sichtbar. Dabei ist wichtig, daß die Unterkanten der Segel die Höhe der hinter der satinierten Zwischenwand befindlichen Altarapsiswand nach vorne bringen, denn diese Höhe ist die Oberkante der Ruine und muß sichtbar gemacht und betont werden, denn diese Höhe ist es auch, die bei der Sakristeiwand in zwei Punkten noch erhalten ist, welche auch die Höhe des Daches der Empore bestimmen. Die Unterkante der Segel transportiert (im Querschnitt) die Oberkante der Ruine im Bereich Sakristei und Altarrückwand in den Raum.

Die Konstruktion besteht aus den beiden zwei-geschoß-hohen Stahlplatten, die mittels Spanten – ähnlich wie im Schiffsbau – ausgesteift und tragfähig gemacht werden. Diese ruhen vorne auf zwei schmalen Stützen und im Bereich der Apsis auf den Mauern der Chorruine. Diese Wände aus Stahlplatten und die Stahlplatten der Dachflächen bilden den sogenannten Oberraum. Über diesen wird mittels einer Zwischenschicht eine wetterfeste Haut aus Blei gestülpt, die vollkommen getrennt wird vom Stahlkörper durch feuchteunempfindliche Dämmplatten. Innen ist der Raum im Bereich der Sakristei und der Galerie in Kupfer (Bleche, Lochbleche, Gitter etc.) verkleidet, das die übriggebliebenen Reste der Chorruine vervollständigt. Die Fassade zum Turm besteht im oberen Bereich und in der Mitte aus schwarzem Glas, das in den Seitenbereichen überdies mattiert ist. Die untere Zone und die Fassade der Seitenkapelle erhalten klares Isolierglas. Die gesamte Fassade ist sprossenlos und abgehängt. Wichtig ist, die Leichtigkeit des Projektes zu betonen, welche besonders deutlich in den Grundrissen und dem Querschiff zum Ausdruck kommt, ferner in der von unten offenen Konstruktion. (Entwurfsgutachten 1997)

Portfolioansicht