Kunstspeicher Prantl Burgenland, Österreich

Neues Kunstlager für einen Bildhauer

Planung 2004/5 - Ausführung 2008/6

,…Haltung zeigen.“ Das war die Botschaft, die der Architekturstudent Carsten Roth von seinem Lehrer Gustav Peichl an der Wiener Akademie mitbekommen hat, und das war auch die Botschaft, die Karl Prantl seinen Freunden vermittelt hat. Nun, da man in solch einem Umfeld bauen soll, wird der Entwurf an diesen Tugenden gemessen. Ein kleines Kunstlager oben, ein Lager für empfindlichere Gegenstände und Platz für Skulpturen. Roth entwirft einen langen, schwebenden Block, viereinhalb Meter breit, fünfundzwanzig Meter lang, davon sechzehn Meter auskragend, ein selbstreferentielles Konzept, eine statische Meisterleistung des Tragwerkplaners Alexander Hentschel vom Ingenieurbüro Dr. Kreutz und Partner, Nürnberg. Dort, wo der Raum, die räumliche Funktion so beschränkt ist, kommt es in der Architektur umso mehr auf präzise Setzungen an. Wie bei einem Haiku mit seiner formalen Reduktion, wo jeder Buchstabe sitzen muss, trägt auch jedes Element des Gebauten Informationen. Alles muss etwas Bedeuten. In Pöttsching muss das Bauwerk auch dem Bildhauer gerecht werden, soll aber selber keine Skulptur sein, dennoch spricht es die Sprache des Steines.

Der eratische Block des Kunstlager sagt: es gibt kein Außen und kein Innen, es gibt nur einen Raum auf der Welt. Wie ein Steinbruch verweist auch das Bauwerk auf weichere oder härtere Schichten, die unterschiedlich erodiert sind. Wir könnten uns den Baublock also als eine Masse vorstellen, aus der etwas herausgenommen wurde. Dieses Motiv finden wir in den kleinsten Teilen:

indexgallery ROTH

Die Untersicht des schwebenden Teiles ist leicht pombiert, die Decke hingegen schwingt im gleichen Atemzug nach oben.
Wie beim Kuchenbacken scheint das Bauwerk aus der Form gekommen zu sein, auch die Fugen sind ausgerundet, betonen trotz der Härte des Sichtbetons das Weiche. Die Treppen, die ins Kunstlager hinaufführen, wurden kunstvoll so eingerichtet, dass ausgetretene Stufen, wie auf einer alter Burg, aus der Schalung kamen. Ein Gefühl von Ewigkeit, ein Schwarz -Weiß Gefühl entsteht. Im Inneren ist alles dem Ziel unterworfen, eine ausgeglichene Temperatur für die empfindlichen Bilder zu gewährleisten, die pannonische Sonne muss weitgehend ausgeschlossen werden. Minimale Öffnungen setzen den Raum dennoch in Szene. Carsten Roths architektonisches Lebensthema ist nicht umsonst natural light in architectural space. ...
(Textauszug Klaus-Jürgen Bauer)

all pictures by / copyright: KLAUS FRAHM / ARTUR, Köln

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